​„Mit Mut und frischem Denken Projekte anstoßen“ 

 

Zur eXPO halten „Förster & Kreuz“ eine Keynote. Wir haben schon vorher mit Ihnen gesprochen und uns über Höchstleistungen, Mut und Motivation unterhalten. Denn genau dazu wollen Anja Förster und Dr. Peter Kreuz inspirieren. Ihre in viele Sprachen übersetzten Bücher und Vorträge bieten aber noch viel mehr.

ekom21: Frau Förster, Sie lieben die Provokation und fordern zum Querdenken auf, warum?
Anja Förster: In vielen Institutionen wird es tatsächlich als Provokation aufgefasst, wenn jemand es wagt, selbständig zu denken und eine eigene Meinung zu haben. Viel zu häufig werden Duckmäusertum und Durchschnitt statt Initiative und Kreativität belohnt und befördert. Das ist vollkommen irre. Wir brauchen in der öffentlichen Verwaltung wie auch in Politik und Wirtschaft mehr mutige Querdenker, die sich auch von widrigen Umständen nicht irritieren lassen. Diese Menschen sind es, die Türen für die Zukunft und die Chancen von morgen öffnen. 
ekom21: Sie gelten als Management-Vordenker. Wie füllen Sie diese Rolle aus, ohne in Allgemeinplätze zu verfallen? Welchen Mehrwert bieten Sie Ihren Beratungskunden?
Peter Kreuz:  Wir sind sehr viel unterwegs. Bisher haben wir über 90 Länder bereist und immer wieder treibt uns die Lust am Entdecken und eine große Portion Neugier hinaus in die Welt. Reisen heißt, die Komfortzone zu verlassen und die Sinne zu schärfen. Das berufliche Reisen verschafft uns die einzigartige Möglichkeit, spannende Persönlichkeiten zu treffen, was uns nicht nur wichtige Einblicke in ihre Organisationen verschafft, sondern auch in ihr Denken und ihre Weltsicht. Und all diese Einblicke und Erkenntnisse fließen in unsere Bücher, Vorträge und Workshops ein. Was wir faszinierend finden: Je mehr du unterwegs bist, je mehr du veröffentlichst, je mehr du redest, um so schärfer wird dein Verstand, um so mehr hast du zu sagen, um so mehr findest du über dich selbst heraus. 
ekom21: Welche Erfahrungen haben Sie mit der Verwaltung gemacht?
Anja Förster: Ich sehe in meinen Begegnungen drei große Gruppen. Da sind zum einen diejenigen, die nur jammern. Über die Planungsversessenheit, die Mühlen der Bürokratie, über mangelnden persönlichen Freiraum und vieles mehr. Es gibt keinen Missstand, egal wie groß oder klein, über den sie nicht stundenlang lamentieren könnten. Dann gibt es noch die, die alles verdrängen, auch die Notwendigkeit, etwas zu verändern. Und dann treffe ich noch auf eine dritte Gruppe von Menschen: Das sind diejenigen, die mit Mut und frischem Denken Projekte anstoßen, die einen positiven Unterschied machen. Ihre Überzeugung ist, dass nur derjenige, der sich bewegt, etwas bewegen kann. 
ekom21: Wie macht Arbeit in der Verwaltung – trotz steigender Dienstleistungsansprüche der Bürger und geringerer Ressourcen – Freude?
Peter Kreuz: Das klingt so, als könnte Arbeit in der Verwaltung nicht ernsthaft Freude machen. Das ist doch absurd. Haben maskierte Männer eines Überfallkommandos die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst gefesselt, geknebelt und sie wider Willen zur Arbeit geschleppt? Tatsächlich ist es doch eine freiwillige Entscheidung, die jeder, der dort arbeitet, getroffen hat. Und die Entscheidung für diesen Job ist immer ein Tausch zwischen dem, was Sie bekommen und dem, was Sie dafür bezahlen müssen.  
Anja Förster: Wir alle vergleichen im Leben ständig Preise. Oft tun wir das unbewusst, manchmal auch bewusst. Was würde es kosten, wenn ich meinen Aufgabenbereich wechsle, kündige, nochmal was ganz anderes mache? Am Ende des Prozesses haben wir dann Preise verglichen, Kosten, Nutzen, Alternativen bewertet und kommen dann hoffentlich zu einem Ergebnis. Wer sich dessen nicht bewusst ist, sieht sich nicht als Gestalter, sondern als Opfer, das lebendig begraben ist unter dem Geröllhaufen der Umstände. Wer diese Opferrolle gewählt hat, braucht dringend jemandem, dem er die Schuld geben kann. Es sind aber nicht die knappen Ressourcen schuld oder die anspruchsvollen Bürger oder der Stand der Gestirne. Diejenigen, die einen positiven Unterschied machen, suchen sich die Verhältnisse, die sie wollen. Und wenn sie diese nicht finden, schaffen sie sie selbst. 
ekom21: Wo sollten Verwaltungsmitarbeiter nach Innovationen suchen?
Peter Kreuz: Erstens, bei unzufriedenen Bürgern. Sie per „Beschwerdestelle“ abzufertigen ist, als ob man einen Rohstoff für Innovationen einfach auf den Müll kippen würde. Zweitens, bei Kollegen, die unkonventionelle Ansichten vertreten und deshalb nicht in das übliche Schema des Verwaltungsmitarbeiters passen. Es geht darum, diese Menschen nicht als Verräter des Systems zu brandmarken, sondern ihnen zuzuhören. Der tägliche Umgang mit diesen Menschen ist nicht immer einfach, aber ohne diese positiven Abweichler erstarren Verwaltungen in blinder Routine.  
Anja Förster: Tatsächlich ist eine solche Haltung eher die Ausnahme als die Regel. Warum tun sich viele so schwer mit den positiven Abweichlern? Hinter der Abwehrhaltung der Gralshüter des Status quo steckt Angst. Der gegenwärtige Zustand wird immer von denjenigen am eifrigsten verteidigt, die am meisten zu verlieren haben. Es gibt aber eine Therapie: Die Anfangsdosis möglichst klein wählen, vielleicht mit einem querständigen Mitarbeiter oder einem unbequemen Bürger starten, dann schrittweise die Dosis erhöhen. 
ekom21: Was sind denn die zentralen Voraussetzungen für Querdenken und Höchstleistung?
Peter Kreuz: Die  zentrale Voraussetzung ist der Anspruch an mich selbst. Ich erkläre das den Führungskräften, mit denen ich zusammenarbeite, mit der Frage: Was wollen Sie auf Ihrem Grabstein lesen? „Hier ruht Max Mustermann. Er hätte wohl einige echt coole Dinge getan, wenn ihn sein Chef gelassen hätte.“ Oder: „Hier ruht Max Mustermann. Seine Leidenschaft war das Saatkorn großer Dinge.“ Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Was-will-ich-eigentlich-Frage eine der wichtigsten Fragen überhaupt ist. Wer sich dieser Frage verweigert oder aus Angst vor der Antwort reflexhaft antwortet „„Ich würde ja so gern xy machen, aber es geht halt nicht“, bleibt lebenslang unter seinen Möglichkeiten – freiwillig. Das kann man so machen, aber es ist auch ein sehr begrenztes Leben.  
ekom21: Wie motivieren Sie sich selbst zu Höchstleistungen? Was haben Sie sich für 2016 vorgenommen?
Anja Förster: Ich habe mir nichts vorgenommen, denn ich halte nichts von guten Vorsätzen fürs neue Jahr, die dann spätestens am 15. Februar auf dem Müllhaufen der guten Absichten landen. Wovon ich sehr viel halte, ist, sich so häufig wie möglich mit spannenden Menschen zu umgeben. Das motiviert mich und fordert mich heraus. Deshalb suche ich den Austausch mit Menschen, die so unkonventionell wie erfolgreich sind. Menschen, die dafür brennen, mit ihrer Arbeit einen Unterschied zu machen. Diese Menschen zeigen mit ihrem Denken und Handeln, dass es gerade jenseits des Mainstreams wirklich interessant wird, weil dort Neues entsteht.  
Peter Kreuz: Für mich bedeutet das, dass ich sonntags eben nicht Golf spiele und übrigens auch an keinem anderen Tag der Woche. Ich will nicht auf dem Rasen dieselben Dinge hören wie letzten Donnerstag auf den Fluren eines Konzerns. Wenn ich etwas Neues lernen will, unterhalte ich  mich mit Künstlern, Architekten, Filmemachern, Musikern. Während der letzten Jahre habe ich eine Sache gelernt: Umgib dich mit spannenden und ungewöhnlichen Menschen und es wird auf dich abfärben. Umgib dich mit Langeweilern und auch das wird auf dich abfärben. Wir werden so wie die Menschen, mit denen wir uns umgeben. 
ekom21: Vielen Dank für das Gespräch!  

 

Weiterführende Links:   
Hier geht es zur Internetpräsenz von Förster & Kreuz:  
Für den visuellen Eindruck: