Das war die CeBIT 2017

 

„Ein Feuerwerk technischer Innovationen“, so bilanziert die Messegesellschaft die CeBIT 2017. In der Tat, die größte Computermesse der Welt war einen Besuch wert. Neben technischen Neuigkeiten stachen vor allem die praktischen Umsetzungen neuer Technik-Trends („Show Cases“) hervor. Wie digitalisiert sich eine Stadt zur Smart City? Wie sorgt KI für mehr Sicherheit? Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? einfo21 digital ist den Trends nachgegangen. Eins war nach fünf Messetagen auch klar, in dieser Form ist die CeBIT Geschichte.
Schaufenster der Digitalwelt
Kaum ist die CeBIT vorbei, bereiten wir uns schon auf die #eXPO21 im Juni, die nächste große Veranstaltung, vor. Doch es ist Zeit, vorher die wichtigsten Trends und Themen der CeBIT Revue passieren zu lassen. Das Motto "d!conomy - no limits" sollte die Dimension des alle Lebensbereiche erfassenden Leitthemas ausdrücken: Es ging um Roboter, Drohnen, virtuelle Realität, Künstliche Intelligenz (KI) und Big Data; um Chancen und Herausforderungen des digitalen Wandels. Als „Schaufenster der Digitalisierung“ wollte die Technologiemesse diesen Wandel mit zahlreichen Beispielen erlebbar machen: Vom Kleinbus, der dank künstlicher Intelligenz die Fragen von Passagieren beantwortet, über Drohnen, die Inspektionen an Industrieanlagen durchführen bis zu Smart Cities mit ressourcenschonender Infrastruktur und neuartigen Dienstleistungen für den Bürger. Neben den üblichen ITK-Neuheiten rückte die Messe konsequent digitale Wachstumsthemen ins Zentrum.
Digitale Wachstumsthemen: Robotik, KI und Cloud
Selbst lernende Systeme, Künstliche Intelligenz und Robotik waren einige dieser Wachstumsthemen. Vor allem Aussteller des Gastlandes Japan zeigten spannende Entwicklungen: Besonderer Höhepunkt war der humanoide Roboter Palro (https://palro.jp/), der in Japan bereits der Altenpflege eingesetzt wird.
Zahlreiche andere Anwendungen veranschaulichten, wie KI Produktionsprozesse – und die Produkte selbst – nachhaltig verändert: Ob mittels Predictive Maintenance die Qualitätssicherung ein neue Grundlage erhält oder Produkte zu Dienstleistungen werden. Das anschaulichste Beispiel hierfür ist wohl der Wandel der Automobilhersteller zu Mobilitätsanbietern. Und so spielte autonomes Fahren eine große Rolle. Zu sehen etwa beim Schweizerischen Postbus oder am Beispiel des fahrerlosen Personentransporters Olli, der von IBMs KI-System Watson gesteuert wird.
Ohne die Cloud – also die von enorm leistungsfähigen Rechenzentren (RZ) zentral bereitgestellten Verarbeitungskapazitäten – wären allerdings viele der Anwendungen nicht denkbar. Entsprechend gefragt waren Technologien rund um den RZ-Betrieb. Denn die Cloud setzt immer leistungsfähigere Rechenzentren voraus. Übrigens: RZs lassen sich mittlerweile sogar flexibel mit Plug-and-Play-Komponenten erweitern.

IoT – das vernetzte Optimum
Ob Unternehmen, Anlagen oder Produkte: Cloud Computing vernetzt alles mit allem und macht das Internet der Dinge (IoT) erst möglich und ebnet so den Weg in die digitale Transformation. Wie das in der Praxis funktioniert? SAP zeigte am Beispiel eines Flughafenmodells, wie man Abläufe beim Abflug in Echtzeit auswertet, um flexibel reagieren und besser steuern zu können – von der Warteschlange an der Sicherheitsschleuse über die Rollfeld-Bewegungen bis zu den Angeboten im Duty-free-Bereich. Weitere IoT-Lösungen reichten von intelligenten Sportschuhen mit Schrittzähler und angeschlossener Analyse-Cloud  über ein smartes Flottenmanagement bis zum vernetzten Schutzhelm. Allesamt Anwendungen, die Mehrwert für die Nutzer aus Vernetzung und Datenauswertung ziehen.
Open Data und Smart City
Der Ausstellungsbereich Public Sector Parc zeigte, wie sich Daten von Städten und Gemeinden vermarkten oder per Serviceportal an die Bürger (Open Data) weitergeben lassen. Das können schlicht Fahrpläne sein, aber auch mehrdimensionale Karten zu Lärm- oder Feinstaubbelastung bestimmter Straßen und vieles mehr.
Als Smart City – so die vielfach angedeutete Vision – profitieren Städte und Gemeinden von IoT, Big Data-Auswertungen und KI. Bei den Konzepten geht es vorrangig um Digitalisierung der kommunalen Infrastruktur und intelligente Steuerung städtischer Systeme, etwa Verkehrsplanung, Versorgung oder Logistik. Das Ergebnis: Verkehrsfluss, der nie stockt, smarte Navigationssysteme, die Autofahrer individuell zum freien Parkplatz geleiten oder Technologie, die Energie effizient dorthin bringt, wo sie benötigt wird.
Die Zukunft der Verwaltung:
Weichenstellungen im Public Sector Parc

Am Thema Digitalisierung führt für Städte und Gemeinden kein Weg vorbei, das wird jedem Besucher des Public Sector Parc deutlich. Neben der Smart City standen vor allem Themen wie eGovernment, ePartizipation und die Einführung des Bürger-Kontos im Fokus. Das Bürger-Konto ist nötig für die zweifelsfreie Identifizierung der Bürger und damit notwendige Voraussetzung für erweiterte digitale Bürgerservices. Aber es dient auch der Verwaltungsvereinfachung und ist zugleich Komfortgewinn für die Bürger.
Wie auch in den vergangenen Jahren tagte zeitgleich zur CeBIT der IT-Planungsrat in Hannover und legte seine Arbeitsschwerpunkte 2017 fest: Strategische Ziele sind die „Stärkung der Offenheit und Transparenz des Verwaltungshandelns sowie die bürger- und unternehmensfreundliche Gestaltung elektronischer Zugänge zu Verwaltungsdienstleistungen.“ Konkret steht das Koordinierungsprojekt "Portalverbund" an, das Verwaltungsportale auf allen Ebenen intelligent miteinander verknüpfen will. Insgesamt  sollen Bürger und Unternehmen in der Zukunft möglichst viele Verwaltungsdienstleistungen elektronisch und damit unabhängig von Ort und Zeit erledigen können. Bis 2018 sollen daher mindestens je drei konkrete Anliegen mit besonders hohem Bürger- und Unternehmensnutzen beispielhaft umgesetzt werden. Hohe Priorität haben für den IT-Planungsrat Melde- und Einwohnerwesen, Elterngeldantrag, i-kfz, Gewerbemeldung und eRechnung.
ekom21 @CeBIT 2017
Viele Anliegen und Forderungen der Kommunen sind die Experten schon angegangen, technische Lösungen sind entwickelt und werden den aktuellen Anforderungen entsprechend verfeinert. So hat die ekom21 als größtes kommunales IT-Dienstleistungsunternehmen in Hessen auf der CeBIT 2017 unter anderem die modular aufgebaute eGovernment-Plattform civento in den Fokus gestellt. civento ermöglicht eine durchgängig elektronische Sachbearbeitung. Verwaltungsexperten profitieren von medienbruchfreier Verarbeitung und der Integration vielfältiger ePayment-Dienste. Das ist modern, bürgerorientiert und effizient. Des Weiteren haben die Hessen ihre Straßenverkehrssuite VIATO vorgeführt. Die Lösung bietet Funktionen für Kfz-Zulassung, Fahrerlaubniswesen, Genehmigungen im Straßenverkehr und Parkraum-Management. Außerdem hat die ekom21 mit dem neuen Einwohnerwesen emeld21 eines der modernsten Software-Verfahren für Einwohnermeldeämter präsentiert.
Sicherheit für Bürger und Daten
Ein vierter Schwerpunkt war das KDLZ CS – das Kommunale Dienstleistungszentrum Cybersicherheit: Dieses einzigartige und vom hessischen Innenministerium initiierte Beratungsangebot sorgt für mehr Sicherheit für die Bürger-Daten. Fachlich und personell bietet die ekom21 den hessischen Kommunen dazu ein umfassendes Portfolio, um die Informationssicherheit zu erhöhen und ein eigenes Sicherheitsmanagement einzuführen. Der hessische Innenminister Peter Beuth kam persönlich, um sich über den Erfolg des KDLZ CS zu informieren: 160 Kommunen in Hessen nehmen die Dienstleistungen bereits in Anspruch. Tendenz steigend, denn Cybersicherheit ist auch in diesem Jahr ein dominierendes Thema auf der CeBIT gewesen.
Cybersicherheit dringender denn je
Viele Organisationen fragen sich: Wie gefährlich sind Cyberattacken? Können Geheimdienste Wahlen durch Hacking beeinflussen? Was kann man dagegen tun? Die zunehmende Vernetzung eröffnet auch Kriminellen Strukturen und Angreifern neue Möglichkeiten, um Geschäftsprozesse zu stören, Informationen auszuspähen oder einfach nur zu schaden. Cybersicherheit ist besonders dringlich in der d!conomy!
Premiere hatte unter anderem eine Cloud-Speicherlösung der Bundesdruckerei. Die Plattform BDrive teilt die vom Nutzer verschlüsselten Daten in Fragmente, die keinerlei Rückschluss auf das Original zulassen. Die Teildokumente werden dann bei unabhängigen Cloud-Anbietern gespeichert. Und auch bei der Sicherheit sorgen KI und Vernetzung für Innovationen. IBM etwa verspricht mit Watson for Cyber Security, Angriffe auf die Sicherheit deutlich schneller zu erkennen und zu unterbinden. Außerdem lernt Watson beständig aus Vorfällen dazu und das ermüdungsfrei.
Die neue CeBIT
Ideen und Innovationen waren in Hannover reichlich zu sehen. Ein ganzer Ausstellungsbereich – SCALE11 – war ausschließlich für 320 Startups reserviert, die hier ihre Ideen präsentierten. Was davon bleibt und sich durchsetzt? Wir werden sehen.
Die Messegesellschaft jedenfalls hat sich entschieden das Format der Messe insgesamt anzupassen. Die neue CeBIT soll drei Bereiche haben: d!conomy soll das Leitevent für die digitale Transformation in Unternehmen und öffentlicher Verwaltung sein. Bei d!talk sollen internationale Sprecher und Visionäre die digitale Agenda von morgen setzen. Und d!tec führt Entscheider, Kreative und disruptive Technologien zusammen. Kurz, die „Digitalmesse wird zum Innovationsfestival“, so das Konzept. Frisst die Digitalisierung jetzt ihr Kind, die CeBIT? Sonniger wird es auf jeden Fall, denn die Messe soll künftig im Sommer stattfinden.

Weiterführende Informationen
• ekom21 Nachrichtenstrom von der CeBIT 2017:
• Der IT Planungsrat koordiniert Bund und Länder mit dem Ziel, die „digitale Zukunft zu gestalten“
• Festival der digitalen Innovationen – so sieht sich die Messe im kommenden Jahr:

• Fachzeitschrift eGovernment Computing zu Cybersicherheit in Hessen: