Breiter Raum für GIS:  Wissen, wo der Hase läuft

 

Kommunale Entscheidungen und Auskunftsangebote haben zu einem erstaunlich hohen Anteil mit Ortsangaben zu tun – Erhebungen zufolge um 80 Prozent. Darf ich hier eine Mauer bauen? Wie teuer wird die Erschließung des neuen Baugebiets? Haben wir hier mit Altlasten zu tun? Geo-Informationssysteme (GIS) können Mitarbeitern in den Verwaltungen, Bürgern und Gewerbekunden viel Aufwand sparen sowie Prozesse erheblich beschleunigen.



Von Google Maps zur kommunalen Karte
Geo-Daten, Karten und ortsabhängige Informationen stehen den Bürgern inzwischen besser und unmittelbarer zur Verfügung denn je. GPS-gestützte Navigation und Google Maps anstelle von Karten, Portale mit Straßenzug-genauen Mietpreisspiegeln, dynamische Karten über die Qualität der Online-Zugänge an einem beliebigen Platz im Landschaftsschutzgebiet, Apps mit den Positionen der nächstgelegenen Hotels oder Geldautomaten – auf den ersten Blick scheinen auf dem Sektor der Orientierung im Raum kaum noch Wünsche offen. Die Erfahrungen mit den einfachen und leicht bedienbaren Kartendiensten prägen längst die Erwartungshaltung der Anwender.

Bürger erwarten schnelle Auskunft
Gleichzeitig steigt die Erwartungshaltung bezüglich Geoinformationen aus den kommunalen Verwaltungen, wenn Interessenten komplexe kommunale Informationen benötigen. Ein Bauherr etwa, der genau wissen möchte, welche Gebäude, Gewerbe und landschaftsverändernden Maßnahmen an einem bestimmten Standort möglich sind, wie eventuelle Ausgleichsmaßnahmen aussehen, welche Satzungen gelten und welche Kosten bei der Erschließung eines bestimmten Grundstücks anfallen, benötigt detaillierte Ortsinformationen. Ähnliches gilt, wenn städtische Maßnahmen in der Innenstadt Auswirkungen auf die dort Ansässigen haben, etwa die Umwidmung eines Gebiets, Infrastruktur- und Versorgungsmaßnahmen oder die Schulplanung. Die Aussage: „Dann kommen Sie bitte übermorgen, ich hole dann die Karten aus dem Archiv“ kann auf Dauer dazu führen, dass ein Betrieb die Gewerbegebiete der Nachbargemeinden zu erkunden beginnt.

Basisinformation und lokales Wissen
Verwaltungsinstitutionen sollten daher in der Lage sein, kommunale Geoinformationen wie Bebauungspläne, Bauland oder öffentliche Points of Interest interessierten Bürgern und Unternehmen online bereitzustellen. Geo-Informationssysteme (GIS) bieten diese Möglichkeit. Die Plattformen bieten angereicherte Geo-Informationen, die Verwaltungsmitarbeiter in ihrer Arbeit unterstützen und Bürgern auf maßgeschneiderten Plattformen Informationen zu relevanten Themen zur Verfügung zu stellen. Das Ergebnis sind Services, die Kosten sparen, Prozesse beschleunigen, aus der Sicht der Bürger modern sind und von echter Dienstleistungsbereitschaft zeugen. Gemeinden, Städte und Landkreise profitieren von zahlreichen Funktionen eines GIS:

  • Erfassung und Bearbeitung von Geo-Daten
  • Speicherung und Verwaltung
  • Analyse- und Recherche-Unterstützung und
  • anschauliche Darstellung.

Der Clou eines GIS über diese Einzelfunktionen hinaus, ist der interaktive Ansatz. Es bildet nicht nur das gute alte Kartenmaterial ab, sondern bietet den Kommunen und vergleichbaren Institutionen die Chance, ihr spezifisches Wissen für verschiedene Zielgruppen praxisgerecht und leicht erfassbar aufzubereiten.

Interaktive Geo-Datenpflege
Die für die entsprechende Region verfügbaren Geo-Basisdaten bilden die Grundlage des GIS. Diese Informationen kann jeder Anwender für unterschiedliche Sachbearbeitungsgebiete individuell ausbauen. Dabei lässt sich das System nicht nur für bereits bekannte Vorgänge und Dienstleistungen optimieren. Es kann auch Antworten auf neue, übergreifende Fragen liefern – etwa, wenn neue Rahmenbedingungen Status-Erhebungen oder statistische Auswertungen erfordern. Typische übergreifende Informationsanforderungen, die ein Geo-Informationssystem abdecken kann, sind beispielsweise:

  • ökologische Dokumentationen
  • Verifizierung oder Beobachtung von Entwicklungen (Zuzug, Abzug, verändertes Bürgerverhalten)
  • Verkehrsdokumentation und -planung
  • die Verknüpfung statistischer Auswertungen mit Räumen (Bevölkerungsentwicklung, Wahlen) und
  • Analysen zu langfristigen Flächennutzungs- und Bebauungsplänen.

Die schnelle Aufbereitung von Daten in diesen Bereichen erhöht durch Transparenz und Anschaulichkeit die Akzeptanz kommunaler Entscheidungen.

Individuelle Fachanwendungen
Technisch setzt ein typisches GIS zunächst auf einer Geo-Datenbank auf, die geographische Basisinformationen in Form allgemein verwendbarer Geometrie-, Sach- und Multimediadaten enthält. In der Schicht darüber ist eine Basissoftware angesiedelt, die diese Informationen verschiedenen Analysen, Verarbeitungsanforderungen und Ergänzungen erschließt. Für wiederkehrende Arbeitsvorgänge lassen sich in der folgenden Ebene spezifische Fachanwendungen implementieren, die Fachabteilungen durch Automatisierung einzelner Schritte unterstützen. Je nach Bedarf kann das Gesamtsystem als Client/Server-Architektur für eine Vielzahl von Nutzern, als Desktop-System für eine Spezialaufgabe, als Internet-gestütztes System für dezentrale Auswertungen oder als für mobile Anwendungen optimierte Variante umgesetzt werden. Gemeinden, Städte und Landkreise sollten daher in einer genauen Anforderungsanalyse zunächst ermitteln: Welche Mitarbeiter können bei welcher Tätigkeit von der Lösung profitieren? Wo und in welcher Form (Standards) liegen die Basisdaten vor? Ist ein externer Zugriff geplant? Das Ergebnis entscheidet sowohl über die Dimensionierung als auch über die optimale Architektur.

Beispiel: Von Google Maps zur Gemeinde-Info
Ein Beispiel, wie ein GIS gleichzeitig Verwaltungen entlasten und Bürgern Informationen bereitstellen kann, bietet das Angebot „Hanau Maps“ der Stadt Hanau. Im Web-Auftritt der Stadt führt ein GIS über die bekannte Google-Maps-Karte nahtlos in die zentimetergenaue amtliche Liegenschaftskarte und verknüpft diese mit Detail-Fotos und -Informationen, die der städtische Fachbereich „Grundstücke und Logistik“ gemeinsam mit der Internetredaktion bereitgestellt hat. Interessenten stehen so historische Karten zur Verfügung, aber auch Bauleitpläne, Flächennutzungspläne, Informationen über Erhaltungs- und Sanierungssatzungen sowie über die exakten Grenzen von Umwelt-, Wasser- und Naturschutzgebieten. Einzelne Geo-Informationen lassen sich überlagern, so dass ein Gesamtbild aller verfügbaren großräumigen und lokalen Informationen entsteht – inklusive der Entfernung zu „Points of Interest“ und Infrastruktureinrichtungen wie Kitas, Schulen und Parkplätzen. Auch eine Bodenrichtwertkarte ist eingebunden.

Beispiel: Ermittlung von Gebühren und Beiträgen
In Vorbereitung befindet sich in Hanau eine Fachanwendung, die den internen Mitarbeitern die zuverlässige Ermittlung der korrekten Gebühren und Beiträge erleichtert – darunter gesplittete Abwassergebühren, einmalige und wiederkehrende Straßenbeiträge, Wassergebühren, Straßenreinigungsgebühren und Erschließungsbeiträge. Basisdaten wie Verkehrsflächen, Geschossigkeit, Nutzungsart, Bedingungen aus Bebauungsplänen, Gemeindeanteile und andere Informationen fließen in eine automatisierte Kalkulation ein, die eine exakte Bestimmung der Beträge ermöglicht und in eine ebenfalls automatisierte Bescheid-Erstellung mündet. Das Resultat ist ein deutlich effizienterer Einsatz der Mitarbeiter und die Entlastung von fehlerträchtigen Routineaufgaben.

Anregungs- und Ereignismanagement
Eine besondere Dialogplattform auf GIS-Basis bietet die Stadt Püttlingen ihren Bürgern: Sie können Meldungen über ortsbezogene Probleme über eine Geo-App melden. Straßenschäden, umgestürzte Bäume, defekte Schilder oder Beleuchtungen – die Bürger markieren den betroffenen Ort innerhalb der App auf der dort verfügbaren Karte und fügen ihre Fragen oder spezifischen Informationen hinzu. Die Mitarbeiter der Stadt bekommen diesen Input sofort angezeigt und können zum Fall ihre Kommentare und die jeweiligen Bearbeitungsstatus speichern. Die Methode vereinfacht den Dialog mit den Bürgern und gibt der Stadt gleichzeitig die Chance, Anfragen schnell zu beantworten und zu allen Ortsinformationen in Beziehung zu setzen, die von Belang sein könnten.

Die Beispiele zeigen: Viele Fragen und Vorgänge in der Verwaltung erfordern geografische Informationen und Raumangaben, ob die Kataster, Erschließung eines Gewerbegebietes oder Gebührenfestsetzungen. „Geografische Informationssystem zur Erfassung, Pflege, Erweiterung und Darstellung können Verwaltungsprofis die Arbeit erleichtern und Prozesse beschleunigen. Aber auch Gewerbetreibende und Bürger freuen sich und profitieren. So wissen alle, wo der Hase läuft,“ so Jörg Tieben, Geschäftsführer Softplan Informatik GmbH.

 

Weiterführende Informationen

Hintergründe: Jörg Tieben, Geschäftsführer Softplan Informatik GmbH, im Interview:

https://www.ekom21.de/Service/einfo21_digital/Seiten/GIS_Interview.aspx

Die Osthessen-News berichten aus Hanau: Bestens orientiert mit Hanau Map. Geodaten-basiertes Informationssystem geht online:

http://osthessen-news.de/n11563697/geodaten-basiertes-informationssystem-geht-online.html

Das Geoportal des Landes Hessen mit Beispielen, Anregungen und Hintergründen

http://www.geoportal.hessen.de/

Das Fachinformationsportal gis.point ist ein guter Einstiegspunkt für Interessierte:

https://gispoint.de/news.html