Open Data – So öffnen sich Verwaltungen ihren Bürgern

 


Open Data in der öffentlichen Verwaltung. Für mehr
Transparenz und Bürgernähe.
Quelle: Screenshot http://www.offenedaten.frankfurt.de

Mehr Transparenz in der Verwaltung liegt sowohl Bürgern als auch Kommunen am Herzen. Open Data ist ein Weg für die öffentliche Verwaltung, diesem Wunsch nachzukommen. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff und wie sehen konkrete Projekte aus?

Ursprünglich beschreibt der Begriff Open Data die Idee, Daten öffentlich frei verfügbar und nutzbar zu machen. Dahinter steht die Auffassung, dass Menschen in einem Gemeinwesen auf bestimmte Daten zugreifen, diese weiterverarbeiten und verbreiten dürfen. Enger gefasst bedeutet Open Data den freien Zugang zu und die freie Nutzung von Daten aus der öffentlichen Verwaltung und ist die Grundlage, auf der sich Regierungen und Verwaltungen dem Bürger öffnen (Open Government Data).

Die öffentlichen Verwaltungen in Bund, Ländern und Kommunen produzieren riesige Datenmengen. Dazu zählen unter anderem statistische Daten, zum Beispiel Bevölkerungsdaten. Aber auch Geodaten und Infrastrukturdaten, wie etwa zu Radwegen, Flächennutzungsplänen oder Bauvorhaben, haben ihren Ursprung in den Behörden und werden dort gepflegt. Um frei zugänglich und frei nutzbar zu sein, müssen Behörden diese Daten in einem Dateiformat zur Verfügung stellen, das weit verbreitet ist. Dies kann zum Beispiel eine Excel-Tabelle (xls), eine PDF-Datei oder eine CSV-Datei (Comma separated values) sein.

In diesem Punkt liegt oftmals eine der großen Herausforderungen für Open Data. Viele öffentliche Verwaltungen sind sich im Unklaren darüber, wie sie ihre bestehenden Daten frei zugänglich und frei nutzbar machen sollen. Denn die Aufbereitung von Datenbeständen für Open Data sieht auf den ersten Blick nach einem technischen Mammutprojekt aus, das enorme IT-Ressourcen benötigt. Open Data-Experte Ralf Sagroll, Leiter der Stabsstelle E-Government der Stadt Frankfurt, gibt Entwarnung. Im Interview mit einfo21 digital [https://www.ekom21.de/Service/Kundenzeitungen/digital/Seiten/2-2_Interview_Sagroll_final.aspx] schätzt er den Aufwand an IT-Ressourcen als überschaubar ein.

Es gibt allerdings einige offene Fragen, die im Zusammenhang mit Open Data noch beantwortet werden müssen. Da wäre zum einen die Frage nach der Fälschungssicherheit der Daten. Zum Beispiel können Daten durch eine unsachgemäße Verarbeitung bei der Entwicklung einer Anwendung verfälscht werden. Auch ist der Datenschutz immer wieder Gegenstand der Diskussion. Jede Verwaltung muss sicherstellen, dass sie auch bei Open Data das Grundrecht des Bürgers auf informationelle Selbstbestimmung − das Recht, selbst zu bestimmen, wer wann und was über eine Person weiß − wahrt. Das Land Hessen hat angekündigt, eine gesetzliche Regelung zum Umgang mit Open Data zu erlassen. „Hessen wird durch seine angekündigte gesetzliche Regelung zum Thema Open Data mehr Klarheit schaffen“, sagt Ralf Sagroll.

Anwendungen von Open Data

Open Data anzubieten ist eine Chance, um die Verwaltung gegenüber dem Bürger transparenter zu machen und neue Services anzubieten. Nutzer von Open Data sind weniger Bürger als vielmehr Entwickler, die auf Basis der Daten neue Anwendungen zur Verfügung stellen. Um Entwicklern den Zugriff auf die Daten der Verwaltung zu ermöglichen, machen immer mehr Städte und Gemeinden ihre Daten öffentlich frei verfügbar und nutzbar. Die Entwickler kommen dabei nicht ausschließlich aus der freien Wirtschaft. Auch Städte und Kommunen beteiligen sich an der Entwicklung neuer digitaler Anwendungen für den Bürger.

Die Stadt Frankfurt zum Beispiel hat als Plattform für ihre Daten ein eigenes Open Data Portal [http://www.offenedaten.frankfurt.de/about] entwickelt. Die Verantwortlichen der Main-Metropole wollen mit diesem Portal unter anderem die Verwaltungsarbeit transparenter machen. Gleichzeitig fördert die Stadt mit dem Portal die Entwicklung neuer digitaler Anwendungen für die Bürger.

Das digitale Baumkataster: Eine Open Data Anwendung in Frankfurt

Das digitale Baumkataster der Stadt Frankfurt [https://geoportal.frankfurt.de/karten/baumkataster.html] ist ein Beispiel für eine konkrete Anwendung auf der Basis von Open Data. Bei diesem Projekt haben das Stadtvermessungsamt und das Grünflächenamt ihre Daten zusammengeführt. Herausgekommen ist eine digitale Stadtkarte, in der jeder einzelne Baum in Parks und Grünanlagen, Spielplätzen oder im Straßenbereich verzeichnet ist. Für jeden Baum kann der Bürger zudem die Art und Gattung des Baumes, die Baumnummer, das Pflanzjahr und den Standort abrufen. Gefährdungen oder Beeinträchtigungen des öffentlichen Straßenraums, zum Beispiel nach einem Sturm, könnte der Bürger mittels des Baumkatasters genau lokalisieren und diese Information an das Grünflächenamt oder eine andere Ordnungsbehörde weitergeben.


Jeder einzelne Baum im Stadtgebiet wurde erfasst. Das Baumkataster der Stadt Frankfurt am Main. Quelle: Screenshot
Wo sind in Köln öffentliche WCs? 
Auch die Stadt Köln verfügt über ein eignes Open Data Portal [http://offenedaten-koeln.de]. Gemeinsam mit den Abfallwirtschaftsbetrieben Köln (AWB Köln) hat die Stadt beispielsweise ein Suchportal für öffentliche Toiletten [http://www.toiletten.koeln/] ins Netz gestellt. Besucher und Einheimische können im gesamten Stadtgebiet nach dem öffentlichen WC suchen, das ihrem Standort am nächsten ist. Vor allem zur Karnevalszeit nutzen viele Besucher diesen Service. Durch unterschiedliche Filter lassen sich zum Beispiel nur WCs anzeigen, die über einen Wickeltisch für Säuglinge und Kleinkinder verfügen oder barrierefrei sind.  
Braucht es für Open Data einen Kulturwandel in der Verwaltung? 
Auch wenn manche Städte und Kommunen wie Frankfurt oder Köln bereits sehr offen mit ihren Daten umgehen, sind viele Kommunen noch zurückhaltend. Die Verwaltung stehe am Beginn eines Lernprozesses, schätzt Sabine Möwes, Leiterin der Abteilung „E-Government und Onlinedienste“ in der Kölner Stadtverwaltung, die aktuelle Situation ein. „Wir müssen lernen, dass alles, was wir machen, prinzipiell öffentlich ist“, sagt Möwes der Wochenzeitung Die Zeit [http://www.zeit.de/2015/04/open-data-daten-behoerden-oeffentlichkeit-digital-zugaenglich/seite-2].  
In den USA fordern Bürger und Institutionen den Zugriff und die Nutzung behördlicher Daten schon seit Jahren aktiv ein. Dort hat jede Person das Recht Zugang zu Dokumenten von Behörden zu verlangen. Dieses Recht ist im Freedom of Information Act (FOIA) von 1967 verankert. Die Los Angeles Times beispielsweise erhält von der städtischen Polizeibehörde alle Kriminalitätsstatistiken in maschinenlesbarer Form. Zuvor musste die Tageszeitung der Polizei jedoch mit juristischen Schritten drohen, sollten die Daten nicht zugänglich gemacht werden. Auf Basis dieser Daten verwirklicht die Times eine umfangreiche Übersicht über die Morde in der kalifornischen Metropole.  

Dank Open Data, die Kriminalitätsschwerpunkt der kalifornischen Metropole auf einen Blick. Quelle: Screenshot 

 

Weiterführende Links 

re:publica 2013: Open Data -- und was hat das mit mir zu tun?
Das Open Data Portal der Stadt Frankfurt
Das Baumkataster inFrankfurt am Main
Suchmaschine für Öffentliche Toiletten in Köln
“Crime L.A.” Das Open Data Projekt der L.A. Times
Interview mit Ralf Sagroll mit einfo21 digital