​Open Data in Aktion: Mehr Service durch BürgerGIS

 

GIS ist die Abkürzung für „Geographisches Informationssystem“. Das GIS enthält digitale Karten. Bei einem BürgerGIS erstellt und pflegt die jeweilige Kommunalverwaltung dieses Kartenmaterial. Die Karten lassen sich auch mit Daten aus Open Data Portalen anreichern. Ein solches BürgerGIS ist unter anderem im hessischen Landkreis Offenbach online. 
Speziell bei einem BürgerGIS ist das Ziel, kommunale Entscheidungsprozesse für die Bürger transparent zu machen. Dazu hält ein BürgerGIS zum Beispiel Flur- und Katasterkarten und in vielen Fällen auch Luftbilder (Orthofotos) bereit. Diese Basiskarten werden mit einer Vielzahl hochspezialisierter Kartenebenen überlagert. Dies kann zum Beispiel eine Spezialkarte zur Hochwassergefährdung sein. Ein Bürger, der sich für den Erwerb von Bau- oder Ackerland interessiert, kann sich auf diesem Weg informieren, ob das Grundstück im oder nahe bei einem Hochwassergebiet liegt. 

Ein BürgerGIS im Einsatz. Haltestellen des ÖPNV in der Kreisstadt Dietzenbach.
Quelle: Screenshot
BürgerGIS und Open Data: Ein Szenario
Das folgende Szenario macht deutlich, wie Bürger von der Verknüpfung von BürgerGIS mit Open Data profitieren können. Die Kreisverwaltung Wetterau bringt ein neues Straßenbauprojekt auf den Weg. Ein Teilstück der Bundesstraße B455, die kürzeste Verbindung von und nach Frankfurt, soll ausgebaut werden. Diese Maßnahme wird als notwendig erachtet, um das gestiegene Verkehrsaufkommen auf der B455 zu entzerren. Verkehrsstaus haben in den vergangenen Jahren an Häufigkeit und Länge zugenommen. Auf Teilstrecken haben die zuständigen Behörden zeitgleich einen Anstieg von Abgas-Emissionen gemessen. 
Ein BürgerGIS ist ein möglicher Weg, den Bürger über das Bauprojekt zu informieren und die Gründe für den Ausbau transparent zu machen. Basis ist eine Karte der Hauptverkehrsstraßen im Landkreis. Diese Basiskarte wird mit einer Spezialkarte überlagert, die das durchschnittliche Verkehrsaufkommen pro Jahr auf diesen Straßen abbildet. Dem Bürger wird visualisiert, dass die B455 die Hauptverkehrsstraße mit dem höchsten Verkehrsaufkommen im Landkreis ist. 
Karten mit Open Data kombieren 
Auf dem Open Data Portal „Offene Daten Frankfurt“ [http://www.offenedaten.frankfurt.de] stellt die Stadt unter anderem Daten zum Arbeitsmarkt [http://www.offenedaten.frankfurt.de/dataset/rheinmain-arbeitsmarkt]  für die gesamte Region Rhein-Main zur Verfügung. Der Datenbestand ist nach Landkreisen aufgeteilt. In diesen Daten sind unter anderem Informationen über die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten enthalten. Die Karten in einem BürgerGIS werden nun mit diesen Daten für den Landkreis Wetterau angereichert. Es zeigt sich, dass die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seit 2005 in dem Landkreis kontinuierlich gewachsen ist. Das erhöhte Verkehrsaufkommen auf der B455 ließe sich beispielsweise dadurch erklären, dass viele der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von ihrem Wohnort im Landkreis zu ihrem Arbeitsplatz in Frankfurt und Umgebung pendeln. Ein Ausbau des Teilstücks könnte die Fahrzeit der Pendler verkürzen und schädliche Autoabgase reduzieren. 
Dieses Ergebnis kann die Verwaltung anschließend in der Öffentlichkeitsarbeit nutzen, um die Bürger über die Vorteile des Bauprojekts aufzuklären. Dazu können Städte und Gemeinden, die an dem Projekt beteiligt sind, die Informationen aus einem BürgerGIS zum Beispiel in ihre Webseiten integrieren und somit zu mehr Transparenz beitragen. 
BürgerGIS wird Open
Ein BürgerGIS an sich ist keine Open Data Technologie. Die verwendeten Geodaten können, müssen aber nicht von der öffentlichen Verwaltung frei zugänglich gemacht werden. Allerdings entscheiden sich immer mehr Gemeinden und Kommunen, ihre Geodaten auf Open Data umzustellen. Die Stadt Frankfurt veröffentlicht auf ihrem Open Data Portal schon heute einige ihrer Bestände an Geodaten. So sind zum Beispiel die Frankfurter Stadtteilgrenzen für den Einsatz in GIS frei als Open Data verfügbar. 
Auch das Bundesland Rheinland-Pfalz und der Rhein-Kreis Neuss in Nordrhein-Westfalen haben angekündigt, ihre Geodaten künftig frei verfügbar machen zu wollen. Rheinland-Pfalz plant 34 Geodatensätze der Vermessungs- und Katasterverwaltung des Bundeslandes (VermKV) als Open Data Produkte freizuschalten. Die Produkte sollen unter dem Lizenzmodell „Deutschland 2.0 – Namensnennung“ frei verfügbar bereitgestellt werden. 

 

Weiterführende Links 
Das BürgerGIS des Landkreises Offenbach
Offene Daten Frankfurt – Das Open Data Portal der Main Metropole
Das GIS der ekom21-Tochter Softplan Informatik GmbH: Ingrada https://www.ingrada.de/