Standesbeamte bei der Arbeit
Mehr als vier Hochzeiten und ein Todesfall

 

Manche mögen es schnell. Sie kommen ins Trauzimmer, die Laptoptasche umgehängt, in Gedanken schon halb bei der Arbeit. Insbesondere bei Hochzeiten steigen die Ansprüche der Bürger an den Rathausservice jedoch zusehends. In Zeiten, in denen viele Paare auf eine kirchliche Hochzeit verzichten, wünschen sie sich eine würdevolle Zeremonie im Standesamt. Sie bringen Zeit, Ringe und neben Trauzeugen auch gleich noch die gesamte Verwandtschaft mit. Der Mann erscheint im schwarzen Anzug, die Frau im weißen Kleid und die geladenen Gäste sind festlich gekleidet. 
Wo Heiraten Alltag ist
Den Standesbeamten Bodo Kroll kann in Sachen Trauungen kaum mehr etwas überraschen. Was für andere der schönste Tag im Leben ist, ist für ihn Routine. Morgens bevor die Hochzeitsgesellschaft kommt, schaut er sich die Akte des Hochzeitspaares an. Passend zu Alter, Nationalität und seinen Eindrücken aus dem Vorgespräch wählt er eine Erzählung oder ein Gedicht. Manchmal, wenn er es für angebracht hält, improvisiert er auch, plaudert aus dem Nähkästchen oder gibt ein paar persönliche Ratschläge mit auf den Weg.
Nachdem der Bund fürs Leben geschlossen ist, beginnt für Bodo Kroll der unromantische Teil der Arbeit. Er muss die Eheschließung beurkunden und Mitteilungen darüber verschicken, etwa an die Geburtsstandesämter und das Einwohnermeldeamt. Seitdem 2009 elektronische Personenstandsregister die bis dahin gedruckten Personenstandbücher abgelöst haben, nutzt Bodo Kroll für diese Arbeit AutiSta.
Ohne Software geht auf dem Standesamt nichts mehr
Die Software erleichtert ihm seine Arbeit erheblich, denn sie bietet eine Vorgangslogik für jede Phase der Bearbeitung, die er im Zusammenhang mit Beurkundungen zu erledigen hat. AutiSta hilft Bodo Kroll jedoch nicht nur dabei, Standesänderungen zu erfassen und sie zu beurkunden. Vor allem dient die Software auch als Datenförderband. Sie bietet Schnittstellen zum elektronischen Personenstandsregister (ePR21) und setzt mit dem elektronischen Mitteilungsverkehr nach XPersonenstand die Reform des Personenstandswesens zum 01.01.2009 um. Dies vereinfacht den Datenaustausch zwischen Standesämtern untereinander, mit anderen Behörden und weiteren Kommunikationspartnern erheblich.

Trauzimmer im Otterndorfer Rathaus
mit historischem Mobiliar
In Deutschland ist dieser Datenaustausch besonders wichtig, weil hier – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern – nicht alle Standesänderungen zentral im Geburtenregister erfasst werden. Das heißt: In Deutschland wird jede Standesänderung dezentral dort erfasst, wo sie stattfindet. Kommt es bei einer Hochzeit aber beispielsweise zu einer Namensänderung, ist davon nicht nur das jeweilige Standesamt betroffen, sondern auch zahlreiche andere Behörden.
Daten lagern sicher im Rechenzentrum von ekom21
Daten zu Geburt, Heirat und Tod unterliegen übrigens gesetzlich besonders hohen Sicherheitsstandards. Anders als beispielsweise Daten zu Vaterschaftsanerkennungen, lagert das Standesamt von Bodo Kroll diese Daten deswegen im Rechenzentrum von ekom21 in Kassel.
„Das moderne Rechenzentrum von ekom21 ist das beste in der Bundesrepublik Deutschland. Es genügt höchsten Ansprüchen an Datenschutz und Ausfallsicherheit“, so Bodo Kroll: „Für Standesbeamte hat die Zusammenarbeit zwischen Standesämtern mit ekom21 noch einen weiteren Vorteil: Gibt es Fragen zur Arbeit mit AutiSta, können sie schnell bei ekom21 anrufen und werden umgehend kompetent unterstützt“.
Aber warum sollten Standesbeamte das müssen, wenn Trauungen für sie praktisch zum Alltag gehören?
Hochzeiten, und noch viel mehr
Was viele Bürger nicht wissen: Trauungen sind nur ein kleiner Teil des Jobs eines Standesbeamten, die Haupttätigkeit liegt in der Sachbearbeitung. Grundsätzlich kann das Tätigkeitsspektrum von Standesbeamten in drei Worten präzisiert werden: Beurkundung von Personenstandsfällen. Man könnte auch sagen: Der Standesbeamte ist eine Art Notar des Bürgers. So wie der Notar beispielsweise dokumentiert, wenn eine Immobilie oder ein Stück Land den Besitzer wechseln, werden Standesbeamte immer dann aktiv, wenn sich der Stand eines Bürgers ändert – also nicht nur bei Eheschließungen, sondern beispielsweise auch bei Geburten, Auflösungen von Ehen und Sterbefällen. Neben dem Modul Eheregister bietet AutiSta deswegen die Module Geburtenregister, Sterberegister, Lebenspartnerschaftsregister sowie Besondere Beurkundungen.
Komplizierte Fälle gibt es immer wieder
Um ihre Aufgaben korrekt zu erledigen, müssen Standesbeamte trotz Software zahlreiche Rechtsgebiete aus dem Effeff beherrschen: Familienrecht, Namensrecht, Personenstandsrecht, Melderecht, Staatsangehörigkeitsrecht, Passrecht und internationales Privatrecht. Und Fälle, in denen Standesbeamte wie Bodo Kroll praktisch ihr gesamtes Wissen auf einmal abrufen müssen, sind keine Seltenheit. Ein Beispiel:
Ein Deutscher heiratet auf Madagaskar eine Weißrussin. Gilt diese Ehe überhaupt? Damit Bodo Kroll die Gültigkeit überprüfen kann, benötigt er eine beglaubigte Übersetzung der Heiratsurkunde von einem deutschen Übersetzer, der im Falle einer fehlerhaften Übersetzung – ob gewollt oder ungewollt – auch haftbar gemacht werden kann. Wichtig ist beispielsweise nicht nur die Frage, wer die Urkunde ausgestellt hat, sondern auch wo sie ausgestellt wurde. Selbst wenn die Hochzeit in Deutschland gilt, stellt sich die Frage: Trifft das Gleiche auch auf Weißrussland zu? Was, wenn die Braut minderjährig ist, die Eltern aber eingewilligt haben? Es geht aber noch viel komplizierter: Was passiert, wenn die Frau Kinder aus einer vorherigen Ehe mitbringt? Ist sie überhaupt rechtskräftig geschieden? Bekommen die Kinder automatisch einen neuen Namen? Welchen Namen will das Ehepaar tragen? Den des Mannes? Den der Frau? Einen Doppelnamen? 
Heiraten sind Alltag, trotzdem gibt es keine Routine
Oft denkt man bei einem Standesbeamten an den Menschen, der einem am schönsten Tag des Lebens gegenüber sitzt und der Ehe Gültigkeit verleiht. Dieses Bild stimmt, greift aber zu kurz. Denn im Alltag von Standesbeamten machen Eheschließungen zwar einen angenehmen, jedoch nur kleinen Teil der Arbeit aus. Ein Großteil ihrer Arbeit besteht hingegen in der Sachbearbeitung. Komplizierte Fälle wie die Eheschließung auf Madagaskar zwischen einem Deutschen und einer Weißrussin mit einem anschließenden Flugzeugabsturz in Venezuela sind es, die Standesbeamten wie Bodo Kroll all ihre Fachkompetenz abverlangen und dafür sorgen, dass die Arbeit niemals Routine wird.

 

Weiterführende Links
Die 5 wichtigsten Dinge beim Standesamt
AutiSta®-Standesamtsverfahren
Standesbeamter/-in: Sind Sie gewillt?
Bodo Kroll