owi21 Ausreden: Kennen Sie die schon?

 

Bußgelder: Die einen ärgern sich still und leise, andere werden laut. Und wieder andere nehmen sie mit Humor. Die Bußgeldstelle Kassel hat die schönsten Ausreden zusammengetragen. 
Wer kennt das nicht: Beim Wecker morgens im Halbschlaf den Snooze-Knopf mit dem Aus-Knopf verwechselt, die Kinder trödeln ewig im Bad, ein Termin dauert länger als geplant. Warum auch immer: Aus irgendeinem Grund ist Eile geboten, die Straße ist frei, man gibt Gas – und plötzlich blitzt es aus heiterem Himmel.  
Bekommt man anschließend einen Bußgeldbescheid, ärgert man sich in der Regel still und leise. Andere werden aggressiv und meinen, ihrem Unmut laut Luft machen zu müssen. Die Mitarbeiter der Bußgeldstelle sind hier einiges gewöhnt. Manche nehmen die Strafzettel aber auch mit Humor und werden kreativ. Die kuriosesten Ausreden kann man auf der Internetseite des Regierungspräsidiums Kassel nachlesen. Wundersame Erklärungen für alltägliche Fehlleistungen im Verkehr tauchen da auf, sprachliche Verirrungen und sympathisch-lustige Entschuldigungen. Beispiele gefällig? 
Die lustigsten Ausreden 
Ein Autofahrer erhebt Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid, denn „Es war mitten in der Nacht gegen 00:54. Die Schilder waren unbeleuchtet. Sie tauchten aus dem Dunkel auf, um sofort wieder zu verschwinden!“. Ein anderer Autofahrer gibt unumwunden zu: „Tut mir leid. Ich war zu spät und zu blöd (und blond bin ich auch noch)“. 
Noch lustiger wird es, wenn Betroffene versuchen den Hergang von Verkehrsunfällen zu beschreiben: „In hohem Tempo näherte sich mir die Telegrafenanlage. Ich schlug einen Zick-Zack-Kurs ein, aber dennoch traf mich die Telegrafenstange am Kühler“. Interessant auch, wie lange der folgende Unfallverursacher meint, die Kontrolle über sein Auto behalten zu haben: „In einer Linkskurve geriet ich ins Schleudern, wobei mein Wagen einen Obststand streifte und ich – behindert durch die wild durcheinander purzelnden Bananen, Orangen und Kürbisse – nach dem Umfahren eines Briefkastens auf die andere Straßenseite geriet, dort gegen einen Baum prallte und schließlich – zusammen mit zwei weiteren PKWs – den Hang hinunter rutschte. Danach verlor ich bedauerlicher Weise die Herrschaft über mein Auto.“ Es geht aber auch anders: „Der Fußgänger hatte keine Ahnung, in welche Richtung er gehen sollte, also überfuhr ich ihn.“ 
Probleme mit der Sprache 
Wenn man sich schon die Mühe macht einen Brief zu schreiben, dann will man sich auch gewählt ausdrücken. Die folgenden Autoren hätten aber wohl besser doch den Duden zu Rate gezogen. So schreibt beispielsweise einer: „Das vorausfahrende Auto bremste korrupt ab“. Wahrscheinlich meinte er „abrupt“. „Ich bin mit meinen Nerven am Ende und habe mit einer schweren Kastritis zu tun“, schreibt ein anderer. Gemeint ist wohl „Gastritis“. Einen Dritten erwischt es so schwer, dass er nicht nur „bewusstlos“ wird und seine „Besinnung“ verliert, sondern: „Ich wollte den Wagen abbremsen. Ich habe gekämpft wie ich nur konnte, aber es half nichts. Prallte gegen die Zaunmauer und wurde unbewusst. Aus war es mit der Gesinnung“.  
Deutlicher geht’s nicht 
Natürlich reicht es nicht, sich nur gewählt auszudrücken. Auch deutlich und unmissverständlich soll ein Brief an die Bußgeldstelle oft sein. „Heute schreibe ich zum ersten und letzten Mal. Wenn Sie nicht antworten, schreibe ich gleich wieder“, ist nur eines der Highlights. Ein anderer hat „Schmerzen bei jedem Fehltritt“. Und eine Braut macht Polizisten froh, denn: „Die Polizisten, die den Unfall aufnahmen, bekamen von der Braut alles gezeigt, was sie sehen wollten“. 
Manche Ausreden bekommen sogar eine Antwort 
Immer wieder versuchen von Bußgeldbescheiden Betroffene den zuständigen Sachbearbeiter auch mit einem Gedicht milde zu stimmen. Das folgende war so geglückt, dass der Verfasser sogar eine Antwort bekam: 
Ein Mensch, der bald Geburtstag hat,
muss äußerst dringend in die Stadt.uss äußerst dringend in die Stadt.
Er stellt den Wecker, legt sich nieder,
streckt seufzend lächelnd seine Glieder.treckt seufzend lächelnd seine Glieder.
Sie werden prompt dann auch sehr schwer.
Er schläft jetzt tief und hört nichts mehr.
So auch den Wecker – nächsten Morgen.
„Na, das fängt gut an, gleich mit Sorgen!“
Duschen schnell und Zähne putzen,
super schnell den Bart noch stutzen,
Frühstück? – Leider – das fällt aus!
Schnell ins Auto – aus dem Haus.
„Nicht so schnell! – Hier fährt man dreißig!
Denk dran, die blitzen fleißig!“
Turnhalle ist schon in Sicht
Na, nun kann ich…leider nicht!
Wie konnte ich das bloß vergessen,
das Ortsschild hat zwar dort gesessen
Doch – das war vor langer ZeitROTER BLITZ – jetzt ist’s soweit!!!
Ich hab’ gelitten wie ein Hund,
und das ist – glaubt mir – nicht gesund!
Die größte Strafe: Meine Frau
Schlägt jeden Tag mich grün und blau
Und schreit: „Denke gefälligst an die Kinder
Du Innerörtlich-Tempo-Sünder!!!“
Drum bitte ich um Straf’ behände
Dann hat die Liebe Not ein Ende! 
Die verständnisvolle Antwort des kreativen Sachbearbeiters, die sogar noch einen rechtlichen Hinweis enthält: 
Es tut mir leid und fällt mir schwer,
doch Klagen helfen hier nichts mehr.
Ein Bußgeld hab’ ich nun erteilt,
weil Sie sich haben so beeilt.
Ich muss auf den Spuren des Gesetzes wandeln
und soll hier jeden gleich behandeln.
Klingelt der Wecker etwas eher,
beeilt man sich vielleicht auch nicht so sehr.
Denn wenn Sie wieder etwas „flitzen“,
fällt die Strafe höher aus beim nächsten „blitzen“,
so sie nun mit diesem Vergehen
im Zentralregister in Flensburg stehen.
Sind jedoch zwei Jahre – ohne weitere Zwischenfälle – vorbei,
ist Ihr „Konto“ in Flensburg wieder „sündenfrei“. 
Und die Moral von der Geschicht’ 
Ob der Verfasser des Gedichts und der antwortende Sachbearbeiter Brieffreunde geworden sind, ist nicht belegt. Müssen sie auch nicht. Als positives Beispiel dafür, wie man mit einem Strafzettel und einer lustigen Ausrede umgehen kann, dienen sie allemal. Schließlich geht es bei Bußgeldern weniger ums Geld, als um eine erzieherische Maßnahme. Sich bei Erhalt eines Bußgelds aufzuführen wie ein trotziges Kind, wütend mit dem Fuß zu stampfen und laut zu schreien, ist jedenfalls wenig zielführend. Mit ein bisschen Humor hingegen ist alles, auch ein ärgerliches Bußgeld, weitaus leichter zu ertragen.

 

Weiterführende Links 
Blitzschnell - Verkehrsordnungswidrigkeiten mit owi21 
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Bußgeldstelle zählte fast 1,5 Mio. Verstöße - Die besten Ausreden 
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